/Pieter Mulier spricht über seine erste Alaïa-Kollektion – und Paolo Roversi | Vogue Germany

Pieter Mulier spricht über seine erste Alaïa-Kollektion – und Paolo Roversi | Vogue Germany

Ich wusste, dass Azzedine einen sehr kompromisslosen Umgang mit dem Modekalender und dem Begriff der Zeit im Allgemeinen hatte. Er ließ sich bewusst Zeit, aber ich habe auch entdeckt, dass seine Kleidung der Zeit standhält und einen zeitlosen Charakter mit sich trägt. Seine Designs sind für die Ewigkeit gemacht. Während ich im Gespräch mit Richemont war, habe ich sehr viele Vintage-Styles gekauft und jedes Mal festgestellt, dass sie sozusagen immun gegen das Altern sind. Bei Alaïa hat die Kreation ihr einzigartig eigenes Tempo. Das ist etwas extrem Seltenes in der Modewelt. Zeit als Luxus.

Haben Sie einen Lieblingsartikel, den Alaïa entworfen hat? Oder gar eine ganze Lieblingskollektion?

Ohne jeglichen Zweifel: Die Frühjahr/Sommer-Kollektion 2003. Allein die Vorstellung daran lässt mich träumen. Mein Lieblingsdesign ist der perforierte Gürtel von 1992.

Auf welche Art und Weise werden Sie das Archiv nutzen?

Ich bin sehr tief in die Archive eingetaucht. Da Azzedine ein absolutes Genie war, ist es faszinierend zu sehen, auf welche Weise er Kleidung hergestellt hat. Er war einer der ersten französischen Couturiers, der mit den technischen Möglichkeiten von Stretch-Strickwaren experimentiert hat. Seine Kreation haben eine endlos reichende Relevanz.

Wie arbeiten Sie mit der für Alaïa so charakteristischen körperbetonten Silhouette in einer Welt nach dem Lockdown? Inwiefern hat die Pandemie Ihr Denken über Mode verändert?

Nach allem, was wir durchgemacht haben, brauchen wir alle Schönheit, finde ich. Ich spreche dabei nicht von Perfektion oder Schönheitsstandards, sondern von der wahren Emotion. Diese Emotion zu spüren, war das Ziel dieser Kollektion. Schönheit geht über Mode.

Schönheit geht über Mode

Wie war es für Sie, in dieser Rolle ein eigenes Team aufzubauen?

Ich habe bei all meinen Positionen mein eigenes Team aufgebaut, ob das bei Jil [Sander], Dior oder Calvin [Klein] war. Bei Alaïa habe ich überraschenderweise anders gestartet. Aus Respekt vor den Teams vor Ort bin ich allein mit nur einem Mitarbeiter gekommen und ich bin sehr dankbar für die Leidenschaft und die Art und Weise, wie sie mich aufgenommen haben.

Welchen Rat haben Ihnen Raf Simons und/oder Ihr Partner Matthieu Blazy mit auf den Weg gegeben?

Sich Zeit zu nehmen. Immer mit Respekt handeln. Und ich selbst zu sein.

Wie werden Sie den familiären Unternehmergeist der Marke Alaïa am Leben erhalten?

Die familiäre Atmosphäre von Alaïa ist ein echtes Geschenk. Es gibt in der Tat eine sehr liebevolle Familie in der Rue de Moussy, die mir gegenüber so großzügig war. Aber es geht meiner Meinung weit darüber hinaus. Azzedines Familie war vielfältig, offen, demokratisch. Werte, die ich in Zukunft leben und aktiv implementieren möchte.