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Russland: Mutige Reporter fordern Putins Abgang – in Kreml-Medium – Politik Ausland – Bild.de

Auch wegen IHNEN dürfte Diktator am ordentlich Frust gehabt haben.

Eine von Russlands führenden News-Seiten hat am Montag kurzzeitig scharfe Kritik am Krieg veröffentlicht – und den Abgang des Kreml-Tyrannen gefordert.

Einer der rund 40 auf „Lenta.ru“ veröffentlichten Artikel trug etwa die Überschrift: „Putin muss gehen. Er hat einen sinnlosen Krieg losgetreten und führt Russland in den Abgrund.“

Und das ausgerechnet am Tag von Russlands Militär-Parade!

Mittlerweile sind die Texte wieder offline, aber noch abrufbar. Alle Beiträge begannen mit der Bemerkung, dass sie nicht mit der Führung des Mediums abgestimmt seien.


„Putin muss gehen. Er hat einen sinnlosen Krieg losgetreten und führt Russland in den Abgrund.“
Ein Screenshot von der archivierten „Lenta.ru“-Startseite. Sowohl der Artikel links als auch der oben rechts sind überschrieben mit: „Putin muss gehen. Er hat einen sinnlosen Krieg losgetreten und führt Russland in den Abgrund“Foto: lenta.ru

Und: In den Artikeln tauchten auch die ukrainischen Angaben zu den Verlusten russischer Soldaten im Ukraine-Krieg auf! Eigentlich wird Russlands Bevölkerung vehement von diesen Zahlen abgeschirmt.

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Erst hatte es im Netz Vermutungen gegeben, dass es sich um einen Hacker-Angriff handeln könnte. Doch dann bekannten sich der bisherige Leiter der Wirtschaftsredaktion, Jegor Poljakow, und seine Kollegin Alexandra „Sasha“ Miroschnikowa zu dem mutigen Protest.

In einer Erklärung Poljakows hieß es: „Es war eine bewusste Entscheidung, die Sasha und ich schon vor längerer Zeit getroffen haben. (…) Wir haben uns hauptsächlich von unserem Gewissen leiten lassen.“

Der Journalist weiter: „Ich glaube, alle Kriegsgegner müssen sich jetzt zusammenschließen, unabhängig von ihren Ansichten.“

Immer mehr russische (Ex-)Manager sterben unter mysteriösen Umständen. 

Da unabhängige Medien ohne alternative Internetzugänge in Russland nicht mehr aufzurufen seien, habe er sich mit seiner Mitarbeiterin dazu entschlossen, die Reichweite von Lenta zu nutzen, so Poljakow.

Über mögliche juristische Konsequenzen der Aktion war zunächst nichts bekannt. In Russland drohen hohe Strafen für angebliche „Falschnachrichten“ über Russlands Streitkräfte. Aber ihre Jobs dürften sie los sein, sagte Poljakow.

Der Protest der beiden Redakteure erinnert an die bis dahin linientreue Journalistin Marina Owsjannikowa (43), die kurz nach Russlands Angriff auf die Ukraine vor einigen Wochen mit einem Anti-Kriegs-Plakat in die Hauptnachrichtensendung des russischen Staatsfernsehens gelaufen war.

Weiterer Vorfall im russischen Fernsehen

Dazu kommt: Auch im russischen Fernsehen war am Montag Kritik am Krieg zu lesen. „Eure Hände sind voller Blut von Tausenden gestorbenen Ukrainern und Kindern“, hieß es dort etwa.

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Selbst die Namen von TV-Sendern sollen als „Blut ist an euren Händen“ angezeigt worden sein. Hinter diesem Vorfall steckten offensichtlich Hacker.