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Wirtschaftsexperte zu Sanktionen: „Russland entwickelt sich zum Entwicklungsland“ – Politik Ausland – Bild.de

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (63) hat am Mittwoch angekündigt, dass mit einer Übergangsfrist von sechs Monaten Importe von russischem Rohöl gestoppt werden sollen. Die 27 Mitgliedstaaten müssen dem Vorschlag noch zustimmen. Es ist das mittlerweile sechste Sanktionspaket der EU gegen Russland und (69).

► Die große Frage ist aber: Treffen diese Sanktionen den Diktator überhaupt?

JA, sagt Theocharis Grigoriadis, Professor für Volkswirtschaftslehre Osteuropas am Osteuropa-Institut der Freien Universität: „Das Öl-Embargo wird schwerwiegende Folgen für die russische Wirtschaft haben.“ Auch den bisherigen Sanktionen, insbesondere den Sanktionen gegen die russische Zentralbank, spricht er eine große Bedeutung zu.

Aber: Putin selbst hatte zuletzt zum wirtschaftlichen Gegenschlag angesetzt und selbst ein Sanktionspaket angekündigt.

Am Dienstag unterzeichnete der Kreml-Machthaber ein Dekret für wirtschaftliche Vergeltungssanktionen gegen den Westen – eine Reaktion auf „unfreundliche Handlungen bestimmter ausländischer Staaten und internationaler Organisationen“, wie das Präsidialamt in Moskau erklärte.

▶︎ Dem Dekret zufolge verbietet Russland die Ausfuhr von Produkten und Rohstoffen an Personen und Organisationen, gegen die es Sanktionen verhängt hat. Es verbietet auch Geschäfte mit ausländischen Personen und Unternehmen, die von Russlands Vergeltungssanktionen betroffen sind, und erlaubt es russischen Geschäftspartnern, Verpflichtungen ihnen gegenüber zu verweigern. Details, wie genau die Sanktionen aussehen könnten, oder Namen betroffener Personen und Unternehmen sind bislang noch nicht bekannt.

Sehr wahrscheinlich aber: ein Stopp russischer Gaslieferungen.

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„Außer einem Stopp von Gaslieferungen hat Putin gar keinen großen Spielraum“, sagt Grigoriadis. Denn abgesehen vom Gas spiele die russische Wirtschaft weltweit gesehen keine wichtige Rolle.

BILD sprach mit dem ukrainischen Soldaten Oleg, der seit Wochen im Stahlwerk ausharrt.

Der VWL-Professor sagt: „Putins Sanktion haben eher einen symbolischen Wert.“

Denn: Deutschland sei auf Putins Sanktionen „absolut vorbereitet“, sagt Grigoriadis. Trotzdem werde der Kreml-Machthaber weiter Druck auf die EU ausüben.

„Russland entwickelt sich wirtschaftlich zu einem Entwicklungsland zurück“

Andersherum zeigen die EU-Sanktionen gegen Russland aber Wirkung, sagt Grigoriadis.

Selbst wenn aktuell noch viele russische Unternehmen versuchen würden, die Sanktionen zu umgehen, indem sie in Länder wie die Türkei oder Georgien umsiedeln: „Das mag vielleicht kurzfristig erfolgreich sein“, sagt Grigoriadis. „Langfristig wird die Situation aber schlimm: Unternehmen werden Menschen entlassen müssen.“

Er sagt: „Alle Faktoren für eine Rezession sind gegeben. Russland entwickelt sich zu einem Entwicklungsland zurück.“

Auch das Öl-Embargo werde jetzt die russische Wirtschaft weiter schwächen. „Kurzfristig wird die Maßnahme auch uns treffen, langfristig wird das Embargo aber Russland und damit Putin treffen.“

Eine Rückkehr zu Geschäften mit Putin sieht Grigoriadis nicht, er sieht in dem Ukraine-Krieg das Ende des Öls und Gas für Europa: „Es ergibt keinen Sinn für den Westen, weiter so zu agieren wie bisher, Russland hat seine Zuverlässigkeit verloren.“